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Vom Traum der erhebt und dem Traum der platzt 

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… und das, was Projekte auf die Erde bringt 

In Dragon Dreaming suchen wir nach den Träumen der Individuen, wir teilen sie, wir kreieren daraus einen gemeinsamen Traum, der die „Seele“ des Projekts und all die Sehnsüchte, der Projektmitglieder umschließen soll.

Für viele ist das das Herzstück von Dragon Dreaming. Der Traumkreis ist sicherlich die Aktivität, die die meisten mit Dragon Dreaming verbinden.

Menschen sitzen zusammen und teilen und hören ihre Träume für das gemeinsame Vorhaben. Die Sätze, die in diesem Kreise gesprochen werden, beschreiben im Kern die Vision eines perfekten Teams, eines perfekten Projektes, einer perfekten Welt. Traumkreise, wenn sie, in kein Ideen-Brainstorming fallen, spiegeln die tiefsten Glauben und Hoffnungen der Beteiligten wider. „Ein Team, auf das ich mich verlassen kann: “ „Eine Gemeinschaft, in der ich die sein kann, die ich bin.“ „Hier können wir alles klären und sind achtsam miteinander.“ „Hier reden wir nicht nur wir setzen die Dinge auch wirklich um.“ Diese Träume beleben uns. Die Hoffnung, dass diese erfüllbar sind, ist einer der Gründe warum wir uns in Projekten treffen, weil wir genau das endlich erleben wollen.

Traumkreise haben diese besonderen Momente, wenn Menschen sichtbar werden mit ihren Talenten, mit dem, was sie wirklich begeistert, das, was sie wirklich tun und erleben wollen. Wenn wir dies miterleben, dann sehen wir die Geschenke und Möglichkeiten, die jeder Einzelne mitsichbringt. Das ist magisch. Und genau das ist das Unvergessliche in Dragon Dreaming.

In einem Projekt, in dem ich mitwirkte hatte das Träumen einen sehr hohen Stellenwert: Träumen – und das Beste, was geschehen kann sich vorzustellen, aufzuschreiben, in Collagen zu wandeln, war fast eine Obsession. „Wir müssen nur groß Träumen“, dürfen uns alles vorstellen – und vor allem „positiv denken!“. Dann wird das erhoffte schon passieren. Sicher. All die Stimmen, die etwas gegen Traum sagten, wurden mehr oder weniger wieder vor die Tür verwiesen. Die Zahlen des Unternehmens rutschten immer mehr in den Keller, die Schulden, ebenso wie die ungeklärten Konflikte waren kaum mehr zu ignorieren – und doch – oder besonders deshalb sollte der Traum wach und wahr gehalten werden.

Im Träumen leuchtet alles, wir fühlen uns enthusiastisch, kraftvoll, grenzenlos …

Die Schönheit des Traumes hat blind gemacht. Es war nichts anderes mehr zu sehen.
Unsere Träume mit ihrer unglaublichen Stärke können uns auch den Blick auf die Realität vernebeln. Wir sehen, was wir uns erträumen und weniger das, wie die Welt derzeitig wirklich aussieht, und wo wir selbst mit unseren Kräften und Kompetenzen gerade stehen und wo das eigene Team und Projekt wirklich in diesem Moment sich befinden.

Wie oft habe ich auch selbst an Projekten festgehalten, weil ich so sehr die Erfüllung meiner Träume sehen wollte, habe aber nicht erkannt, dass dieser Ort, diese Gruppe oder Team dazu einfach nicht geeignet sind. Und so habe auch ich mich einige Male verausgabt, in der Hoffnung, dass wenn ich nur dranbleibe und noch mehr von mir und meinen Ressourcen hineinstecke, es wirklich besser wird … und die Erfüllung meines tiefsten Anliegens sich endlich zeigt.

Andere Male habe ich erlebt, wie Projekte und Teams nach ihrer Hochphase zusammenfielen, weil die Erwartungen aneinander so hoch waren, das sie niemand halten konnte und die Enttäuschungen schnell folgte. „Wir wollten doch. …“

Aber der Schmerz über die „gestorbenen“ Projekte, besonders, wenn sie aus so viel Herzblut genährt wurden, begleitet uns lange.
Unsere Träume kreieren eine Art Blase, welche uns weit tragen und in gewisser Weise vor dem „anderen Leben“ schützen kann. Aber diese Blase kann eben auch einfach platzen. Und dann fallen wir in etwas, was in der Prozessarbeit (nach Arnold Mindell) „low dream“ also tiefer Traum bezeichnet wird.

Der „low dream“ ist der Zustand, den wir verhindern wollen. Er enthält Gefühle und Gedanken über uns und die Welt, die schwer zu ertragen sind.
Der “low dream” ist wie ein Erwachen in einen Alptraum – als würde plötzlich der Vorhang zur Seite gerissen und wir würden sehen, wie die Menschen, unserer Kollegen, die Welt „wirklich“ sind. Wir sehen und fühlen, was eigentlich nicht sein kann und nicht sein sollte.
Im “low dream” sieht alles hoffnungslos und sinnlos aus.
Wenn die Blase platzt und wir merken, dass das Traumprojekt sich irgendwie nicht entwickelt, dann kann uns das bis in die Verzweiflung stürzen, … nach all den Mühen, dem Engagement, der Liebe —— eine tiefe Enttäuschung über die Mitmenschen und die Welt in der wir leben.

Nie mehr, nie wieder! Alles soll vorbei sein. So tief kann die Enttäuschung gehen. Man flucht, verflucht, schimpft, stampft, kämpft oder entfernt sich weit. Vorwürfe fliegen, die Luft ist raus. Und oft kippt es genau ins Gegenteil und das Gute und Funktionierende ist ausgeblendet.

Die Gefahr in einen “low dream” zu stürzen ist besonders hoch, wenn wir lange Zeit über unsere Grenzen gegangen sind. Diese Gefahr ist in Herzensprojekten besonders gegeben. Weil man doch so sehr möchte, dass sich das Projekt realisiert und man dafür bereit ist über Grenzen zu gehen.

Wenn jedoch der Bogen zu lange überspannt wurde – schnappt er zurück.

Und das nicht als Strafe – sondern als natürliches Regularium, um uns und das Projekt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Aus der Höhe, werden wir zurück auf die Erde katapultiert … und fallen erst einmal, bis wir wieder die Erde und die Tatsachen, die auch einzubeziehen sind, zu sehen und zu spüren.
Wichtig ist, auch diesen Zustand zu würdigen und sich selbst nicht aus diesem, wenn auch unangenehmen Zustand schnell herausbringen zu wollen. Wer wieder auf die Erde fällt, hat dort etwas Wichtiges zu erfahren, dass am Ende auch dem Projekt dienen wird.

Als Facilitator ist es wichtig, diese “low dream”s zu erkennen und auch damit zu arbeiten und beide Zustände zu kennen und zu integrieren.

Inzwischen ermutige ich Gruppen und Projekte nicht mehr nur den „High-Dream“ zu teilen, sondern auch den “low dream”. In diesem sind wir nicht nur fleißig, engagiert und großzügig. In diesem haben wir und das Projekt schlechte Tage, ungelöste Konflikte, unreife Momente, Ängste …
Und auch damit müssen wir einen Weg finden, wenn das Projekt umgesetzt werden will. Und es ist wichtig zumindest auch dies für sich zu kennen.

Diese Traumkreise zur Erkundung der “low dream”s sind andere Natur. „Was fürchtest du? Was wirst du dieses Mal nicht ignorieren, in der Hoffnung, dass es dieses Mal anders ist?“ Wer bist du, wenn nicht alles wie erwartet läuft? Wie kündigt sich dein Unmut an? Dieses Wissen aus anderen Projekten, unsere Wunden, unsere „Projektleichen“, teilen wir selten.

Es braucht beides – unsere tiefsten Träume und Strebungen, das, wofür wir hier sind, das was uns bewegt. Und ebenso braucht es ein Wissen um unsere Ängste und Erfahrungen. Beide, High- und “low dreams“ können uns blind machen. Das Navigieren zwischen den beiden bringt Projekte auf die Erde.

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