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Kein Schneiden und keine Kompromisse bitte

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Der Weg zu 100% für alle Beteiligten. 

Eine verbreite Meinung ist, dass man immer Kompromisse machen muss – in Beziehung, Teams, in der Zusammenarbeit – sonst wird es nie gehen, sonst kommen wir nicht weiter. Das ist so und geht nicht anders. Alles andere ist eine Träumerei, die nicht erfüllbar ist.

Doch Kompromisse sind nie nachhaltig. Sie sind Lösungen für eine kurze Zeit. Sie verlangen die Mitte und die Mittelmäßigkeit von allen Beteiligten.

Oft ist es uns nicht bewusst, doch am Ende ist es meistens ein Verlust für beide Seiten. Alle mussten nachgeben. Niemand hat wirklich das bekommen, was er/sie wollte und brauchte. Und somit ist das scheinbar Gute immer nur eine halbe Lösung und eine, die nie von Dauer ist. Denn das, was wir nicht erhalten oder durchgesetzt haben, ruft uns weiterhin und bittet um Erfüllung oder Durchsetzung.

Dieses Loslassen müssen und nicht unterstützt sein, in den eigenen Strebungen, hinterlässt Spuren. Das Aufgeben der eigenen Integrität, ist eine Art Betrug. Es macht auch etwas mit der Beziehung zu dem anderen Teampartner, Freund, Kollegen.
Man könnte sagen, jeder zahlt eben einen Preis für das Gemeinsame.
Aber die Frage ist, ob das wirklich so ist und ob man den Einsatz auch anders einbringen und der Gewinn damit anders aussehen könnte.

Aber wie soll das gehen?

Wie kann jeder 100 % bekommen, ohne das jemand Kompromisse macht, das ist doch unmöglich. Das ist die übliche Reaktion, wenn ich diesen Weg vorschlage.
Es braucht ein anderes Verständnis um diese, andere Möglichkeit leben und erfahren zu können. Der erste Schritt ist die Entscheidung sich gemeinsam aufzumachen eine derartige Lösung zu finden und nicht dem Win-Lose-Spiel oder einem vorschnellen Kompromiss auf den Leim zu gehen.

Ein Beispiel aus meiner Arbeit.
Ein Hausprojekt. Wer soll am Ende dort wohnen?Maria ist es wichtig, dass Projekte immer auch ein sicherer Ort ist für Menschen in Not.
Jan sorgen Marias Ansichten. Er will in keinem „Sozialprojekt“ wohnen. Es ist nicht möglich die „ ganze Welt“ zu retten und irgendwo möchte er sich auch ausruhen können und nicht verantwortlich sein für die Welt und ihre Probleme.
Beide Parteien und ihre Unterstützer versuchen sich mit Argumenten zu überzeugen. Das verbale Pingpong-Spiel beginnt.
Ich unterbreche die Diskussion und frage, ob wir etwas anderes probieren wollen – dieses Mal ohne Gewinner und ohne Kompromiss.
Alle kennen „Dragon Dreaming“, kennen die Prinzipien, doch die Umsetzung – das haben sie noch nie erlebt.Bevor wir einsteigen, klären wir noch einmal die „anderen“ Spielregeln, ohne die der Prozess keinen Erfolg haben wird.Wir wollen den Raum betreten, in dem beide mit ihren, wenn auch gegensätzlich scheinenden Bedürfnissen und Strategien, Platz haben. Ziel ist nicht mein Anliegen oder Deines zu realisieren, sondern das zu erschaffen, was beide Parteien gänzlich unterstützt.

„Ohne schneiden!“ – sage ich immer – „lasst uns Lösungen finden, für die niemand an sich selbst und dem, was ihm wichtig ist, herumschneiden oder herummanipulieren muss.“

Beide Parteien einigen sich darauf, dass sie weder an dem eigenen, noch an den Bedürfnissen der anderen „schneiden“. Niemand soll und darf seine eigene Integrität und sein Wesen verraten. Das ist die Absprache.
Alles darf und soll auf den Tisch. Es ist, als würde man zueinander sagen – „ich sorge und interessiere mich zu 100 % für dein Wollen, Streben und für deine Bedürfnisse, ebenso wie ich gänzlich für meine eigenen sorge.“ Und wir machen uns zusammen auf, genau das zu finden und zu ermöglichen.
Es ist kein Kampf, keine Gewinnen wollen, kein Aufgeben müssen, sondern am Ende wie ein gemeinsamer Schöpfungsprozess.

Nachdem wir uns auf das Grundverständnis und die zugrunde liegende Absicht geeinigt haben lasse ich Maria erzählen, was ihr so wichtig ist. Dieses Erzählen können ist so wichtig, weil wir oft nicht einmal selbst wissen, warum und wofür wir uns einsetzen. Jan und die anderen hören interessiert zu. Es entsteht ein gemeinsames Bemühen um mehr Verständnis. Ich frage ihn daraufhin, was dem von Maria hinzuzufügen ist, (nicht abzuziehen!) damit er dies zu 100 % unterstützen kann. Jan erzählt davon, wie wichtig es ist, dass seine Kinder in diesem Projekt sicher sind und sich frei und sorglos bewegen können. Wenn das gewährleistet ist, dann kann er auch Marias Anliegen vollständig unterstützen.

Das Gespräch geht noch viele Male hin und her. Keiner weiß und muss wissen, wie man das umsetzen kann, aber darum geht es in diesem Moment auch nicht. Wir bleiben einfach mit den Widersprüchen, wir hören sie, wir schweigen, wir atmen zusammen.
Jan und Maria beginnen ihre Bedürfnisse zu hören und sich dafür einzusetzen. Sie sprechen von ihren Träumen und setzen immer auch Grenzen, damit sie den ganzen Traum der anderen Person unterstützen können. Es ist ein bewegender Prozess, wo jeder nicht nur den anderen, sondern nicht zuletzt auch das eigene ein ganzes Stück mehr versteht. Wir können streiten übers Wohnen in der Stadt oder auf dem Land – oder ich lasse mich darauf ein mehr zu verstehen, was dir das Land und mir die Stadt bedeutet. So haben wir gemeinsam die Chance etwas zu finden, wo Anonymität, Inspiration, Kultur, frische Luft, Naturverbundenheit, Einfachheit lebbar ist.

Und auf diese Weise und mit Hingabe und Geduld, wird uns allen ein wenig klarer, wie das am Ende, doch gut zusammengehen könnte, ohne dass jemand seine Vision aufgeben muss.

Das einzige, was wir gemacht haben ist, wir haben uns voll und ganz in die Sache gehängt. Wir haben einander zugehört, ernst genommen, ohne gleich eine Lösung in den Blick zu nehmen. Das Eigene ist nicht wichtiger als das andere. Das Andere nicht wichtiger als das Eigene. Diese Richtung oder Haltung ist eine Lösung, die beides bestmöglich unterstützt und möglich macht.

In diesem Fall weiß ich noch nicht, wie das Projekt am Ende umgesetzt wird.
Ich sage nie, dass „100 %“ gelingt. Aber darum geht es auch nicht. In meinen Augen sind auch die 100 % eine Utopie, die falsch verstanden wird, wenn sie der Erfolgsmesser sein soll.
Wenn ich aber von vornherein davon ausgehe, dass ich nie alles erreichen, was ich brauche und ebenso auch der andere nicht, dann finden wir eine Lösung, die jeden bestenfalls zu 50 % berücksichtigt und befriedigt.
Wenn wir uns alle auf die 100 % ausrichten, dann wachsen wir alle über uns hinaus und kreieren neue Möglichkeiten, indem wir mehr Zutaten zulassen und wir nicht in unserer beschränkten Wahrnehmung unserer eigenen Erfahrung verhaften. Dann kann womöglich 65 % meiner Bedürfnisse umgesetzt werden und 73 % von deinen. Das ist unser Gewinn. Und, es wird gut sein, dass ICH und DU kompromisslos gewürdigt und gesehen wurden für das, was uns wirklich wichtig ist, das wir gesehen wurden als die, die wir sind.

Das sind die 100 %, die wir nicht verhandeln dürfen! Das ist das, wofür es sich lohnt seine Anstrengung hineinzugeben – nicht in das sich gegenseitig verhindern, beschneiden, sondern in den gemeinsamen Kreations- und Erkennungsprozess.

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